Trends im Einkauf 2020

Trends im Einkauf 2020

Jahresauftaktsinterview mit Marc Kloepfel und Duran Sarikaya

Welche Faktoren haben das Jahr 2019 für die Kloepfel Group besonders geprägt?

Zunächst einmal möchten wir ein großes Dankeschön an 116 Unternehmen richten, welche uns im Jahr 2019 ihr Vertrauen entgegengebracht haben. In Summe konnten wir für unsere Kunden Einsparungen in Höhe von 138 Millionen Euro erzielen. Darauf sind wir sehr stolz und freuen uns, auch im neuen Jahr spannende Projekte mit unseren bestehenden und neuen Kunden zu bearbeiten.

Was den Einkauf betrifft, blicken wir auf ein ungewöhnliches Jahr zurück. Die Unternehmen starteten mit vollen Auftragsbüchern, somit zeigten viele Lieferanten weniger Interesse an Neukunden. Doch im März und April verzeichneten wir eine Wende. Die Auftragseingänge vieler Kunden brachen ein, Produktionskapazitäten auf Lieferantenseite wurden frei und Rohstoffpreise gingen zurück. Hinzu kommt die schwächelnde deutsche Autoindustrie. So drehte sich in vielen Branchen der Verkäufermarkt binnen weniger Wochen zu einem Einkäufermarkt.

Leider haben viele Unternehmen diese Entwicklung zu spät erkannt. In den ersten Monaten des Jahres, während des Booms, waren die eigenen Kosten durch mehr Personal, hohe Investments und nicht zuletzt hohe Einkaufspreise gestiegen. Durch die Wende im Frühling sorgte dies bei vielen Unternehmen für starke Umsatzeinbrüche. Als Folge verspürten wir im 3. Quartal eine deutlich höhere Nachfrage nach Einkaufsdienstleistungen. Hier stand insbesondere die Verhandlungsunterstützung im Vordergrund, um das vorherige, niedrigere Preisniveau wieder zu erreichen. Weiterhin suchten viele Unternehmen nach Unterstützung beim Aufbau neuer Lieferanten, insbesondere in Osteuropa. Dies war in den letzten beiden Jahren durch die gute Konjunktur kaum möglich. Durch den Konjunktureinbruch konnten die Unternehmen ihre Chance in Osteuropa besser nutzen

Darüber hinaus haben wir viele Anfragen für Wertanalyseprojekte verzeichnet. Dies zeigt, dass viele Unternehmen wieder Kapazitäten in der Technik haben, um die technische Beschaffenheit ihrer Produkte auf den Prüfstand zu stellen.

Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen blicken wir als Kloepfel Group auf ein erfolgreiches Jahr 2019 zurück, in dem unsere Berater die zahlreichen Anfragen unserer Kunden mit hohen Anstrengungen professionell und zeitgerecht umsetzen konnten.

Was kann der Mittelstand aus dem Jahr 2019 lernen?

Im letzten Jahr hat sich erneut gezeigt, dass Unternehmen auch während einer konjunkturell guten Phase niemals die eigenen Kosten vernachlässigen dürfen. Stattdessen sollten sie permanent – unabhängig der externen Gegebenheiten – an ihrer Optimierung arbeiten. Während starker wirtschaftlicher Phasen neigen viele Unternehmen dazu, sich nur auf ihr Wachstum zu fokussieren und vernachlässigen dann zu oft die dafür notwendigen Unterstützungsprozesse. Mittel- bis langfristig machen sich die Folgen dessen dann spürbar.

Auf globaler Ebene hat das Jahr 2019 außerdem viele große Veränderungen gebracht. In fast allen Regionen hat sich die wirtschaftliche Unsicherheit über die letzten Monate erhöht. Sei es durch die von den USA angezettelten Handelskriege, die Ungewissheit im Brexit-Poker, den fehlenden Zusammenhalt in der EU oder auch die Konflikte im Nahen Osten. Vor dem Hintergrund der damit zusammenhängenden Unsicherheit empfehlen wir den Unternehmen, ihre Global Sourcing Strategien durch Alternativlieferanten abzusichern und ihr Risikomanagement bzw. Versicherungsprogramm grundsätzlich zu überdenken.

Worauf müssen Einkäufer im neuen Jahr 2020 Wert legen?

Sofern es noch nicht geschehen ist, müssen Einkäufer ihren Fokus wieder klar auf Preise und Neulieferanten legen. Durch Neuverhandlungen von Konditionen mit Bestandslieferanten lassen sich aktuell im Schnitt Einsparungen von drei bis fünf Prozent erzielen. Insbesondere Supplier Conventions mit allen Kernlieferanten bieten sich als effektive Methode an. Durch neue Lieferanten können Einkäufer sogar Kosten in Höhe von 10 bis 15 Prozent einsparen, da die Zulieferer in vielen Bereichen wieder nach Neukunden suchen und daher bereit sind, attraktivere Angebote abzugeben. Weiterhin sollten Unternehmen daran arbeiten, ihre Lager abzubauen und Überbestände abzuverkaufen. So wird das Working Capital reduziert und der Cashflow verbessert.

Darüber hinaus sollten Einkäufer ganz genau darauf achten, in welchen Ländern und Regionen sie einkaufen. Da es zurzeit viele potenzielle Krisenherde gibt, will die Entscheidung für einen Beschaffungsmarkt gut durchdacht sein. So wird hinsichtlich Russlands eine Entspannung erwartet, im Nahen Osten hingegen eine Verschärfung der Konflikte. Nun, wo der Brexit so gut wie beschlossen ist, müssen größere Engagements im Vereinigten Königreich sorgfältiger geplant werden, um Risiken zu vermeiden. Andernfalls kann es zu Lieferengpässen und hohen Zöllen kommen.

Welche Ziele setzt sich die Kloepfel Group für das kommende Jahr?

Zum einen erwarten wir eine konstant hohe Nachfrage für Verhandlungs- und Sourcing-Projekte. Dazu verstärken wir unser Team in den Sourcingmärkten vor Ort, wie Rumänien, Ukraine, Türkei, Slowakei, Mexiko oder Indien.

Zusätzlich liegt ein Kernfokus auf dem Outsourcing von Einkaufsdienstleistungen. Immer mehr Unternehmen verstehen den Einkauf nicht mehr als reine in-house Funktion. Prozesse wie Rechnungsprüfung, operativer und indirekter Einkauf, Disposition, Projekteinkaufsunterstützung oder auch Ausschreibungsdurchführung können schneller und professioneller von spezialisierten Dienstleistern übernommen werden. Der Einkauf kann sich auf wichtigere Themen fokussieren und die Unternehmen gewinnen unterdessen deutlich an Agilität. Entsprechend werden wir das Outsourcing-Programm von Kloepfel Services deutlich ausbauen und unsere Investments in unser Service-Center in der Slowakei als auch an den anderen Standorten ausbauen. Das Thema Prozessoptimierung betrifft auch unser eProcurement-Tool proctopus. Wir erhalten immer mehr Aufträge, die Einkaufsprozesse der Mittelständler zu digitalisieren. Um hier weiterhin die führende Rolle als 360 Grad Anbieter am Markt einzunehmen, sind wir dabei weitere Partnerschaften mit spezialisierten Einkaufssoftware-Unternehmen abzuschließen.

Welchen Rat möchtet Ihr mittelständischen Unternehmen mit ins neue Jahr geben?

Die Zeit des Umsatzwachstums ist in vielen Industriebereichen erst einmal vorbei. Umso wichtiger ist es, das eigene Unternehmen optimal für die nächste Wachstumsphase aufzustellen. Betrachten Sie jetzt Ihre Kostenstruktur, insbesondere Einkaufskonditionen, indirekte Kosten, technische Komplexität, Lohnkosten, Bestände aber auch Prozesse. Gehen Sie sicher, dass Sie in all diesen Bereichen optimal aufgestellt sind, um im Jahr 2020 Ihre Gewinne zu maximieren. Die Kloepfel Group kann Sie in all diesen Bereichen als erfahrener Begleiter unterstützen. Für ein persönliches Gespräch stehen wir Ihnen daher in den nächsten Tagen gerne zur Verfügung.

Vielen Dank für das Interview!