Notebooks & Co.: Home-Office sorgt für Lieferengpässe und steigende Preise

Notebooks & Co.: Home-Office sorgt für Lieferengpässe und steigende Preise

Thomas Wandler und Marc Röver

Durch das Homeoffice sind die Preise und teilweise auch Lieferzeiten von Notebooks, Webcams und anderer Computer-Hardware deutlich angestiegen. Die Autoren beschreiben die Probleme und was Unternehmen durch klugen Einkauf, Einfallsreichtum und Schichtbetrieb im Homeoffice dagegen tun können. Dabei gehen sie auch auf die Anfälligkeit von Homeoffice für die Cybersicherheit der Firmen ein.

Steigende Preise und Lieferzeiten

Besonders im Dienstleistungsgewerbe, wo Homeoffice vermehrt zum Einsatz kommt, sind die Lieferengpässe von Hardware-Produkten deutlich spürbar. Beispielsweise der Mitarbeiter in der Buchhaltung, im Einkauf oder in der Auftragsabwicklung, verwendete bisher in den meisten Fällen einen Standrechner. Für diese Arbeitnehmer müssen die Unternehmen neues Equipment wie Notebooks anschaffen, um ihnen die Arbeit von Zuhause aus zu ermöglichen. Aber auch die Lieferzeit bspw. von Webcams, die für Kunden- oder Teammeetings gebraucht werden, liegt bei bis zu drei Wochen. Darüber hinaus gehen die Menschen aufgrund der Pandemie weltweit vermehrt ins Homeoffice. Somit sind die steigenden Preise und Lieferzeiten ein globales Problem. Einmal abgesehen davon, wird die Zahl der Heimarbeiter noch weiter steigen, da sich Homeoffice weiter durchsetzen wird.

Preissteigerungen bei Computer-Hardware

Zwar versuchen die Hersteller mehr zu produzieren, wie aber jeder Einkäufer weiß – Angebot und Nachfrage bestimmen den Preis. Selbst wenn mehr produziert wird, wird der Preis steigen, weil mehr nachgefragt wird, als vorhanden ist. Im Schnitt sind die Preise von Computer-Hardware um etwa fünf Prozent angestiegen.

Hinzu kommt: Zwar gibt es Notebooks die lieferbar sind, deren Leistung aber schwächelt. Bei einem älteren Gerät müssten dann Komponenten ausgetauscht oder neu eingebaut werden. Aber auch bei diesen Teilen bestehen Lieferengpässe.

Keine kurzfristige Entspannung in Sicht

Für viele Hersteller und Zulieferer stellt sich die Frage, inwieweit es sich für sie lohnt die Kapazitäten aufzustocken, denn irgendwann entsteht eine Marktsättigung. An diesem Punkt kehrt wieder Normalität in der Nachfrage ein. Daher reagieren Unternehmen eher mit höheren Preisen, anstatt ihre Kapazitäten zu erweitern.

Beschaffung von Computer-Hardware aus dem Ausland

Die Beschaffung aus dem Ausland ändert nichts an dem ursprünglichen Problem. Besonders bei der IT bewegt man sich oft auf dem asiatischen Markt. Hier gibt es eine hohe Konzentration von Produzenten, die auf Hardware ausgelegt sind. Man kann vielleicht versuchen über einen Händler, mit dem man zusammenarbeitet, Informationen über die Marktsituation und die Lagerbestände der anderen Händler weltweit zu erhalten. Ob dies aber so funktioniert, ist die andere Frage, da hier tatsächlich ein globales Problem vorliegt.

Kunden können Computer Markt selbst erweitern

Es gibt viele Unternehmen die neue Laptops mit ihren Standardkonfigurationen benötigen, aber diese schwer zu bekommen sind. In einem solchen Fall raten wir dazu, die Spezifikation flexibler zu gestalten und so, auf einen größeren Markt zurückgreifen zu können. Dazu müssen sich die Unternehmen mit dem Händler in Verbindung setzen und genau erklären, welches Gerät sie für welchen Anwendungsfall benötigen, sodass der Händler Alternativen vorschlagen kann. Und die Firmen sollten auch zu einem Lieferantenwechsel offen sein und nicht nur eine einzige Marke setzen. Das steigert die Flexibilität und letztlich das Angebot.

Not macht erfinderisch

Man muss kreativ werden. Einer unserer Arbeitskollegen brauchte für sein Homeoffice eine Webcam – allerdings liegen ja auch hier Lieferengpässe vor. Da stieß er auf eine Software für das Smartphone, wodurch das Handy zur Webcam umfunktioniert werden kann. Diese kostet lediglich fünf Euro und ist bei weitem günstiger als das, was eine Webcam am Markt kostet.

Knappe Rechner: Homeoffice im Schichtdienst

Was wir aber auch schon erlebt haben, waren Schichtdienste zwischen Homeoffice und Büro. Mitarbeiter A befindet sich Montag und Dienstag im Homeoffice und Mitarbeiter B Mittwoch, Donnerstag und Freitag. Somit werden auch Ausfälle im Fall einer Erkrankung eingedämmt. In diesem Fall arbeiten die Mitarbeiter an einem Standcomputer und benutzen zu zweit einen Laptop, welchen sie abwechselnd mit ins Homeoffice nehmen.

Sofern dies innerhalb einer Abteilung geschieht ist es kein Problem, wenn sich lokal die Daten mischen. Zudem können Online-Speicherplätze genutzt werden, damit man mobil auf alle Daten zugreifen kann. Der E-Mail-Account kann separat ein- und ausgeloggt werden. Somit müsste zwar ein Plan erstellt werden, wann wer ins Homeoffice geht. Allerdings könnte man sich so fast die Hälfte der sonst benötigten Laptops sparen.

Unternehmen haben Nachholbedarf bei der Digitalisierung

Nehmen wir einen Buchhalter. Dieser kann Rechnungen auch von zu Hause aus verbuchen, während der Rechnungseingang oftmals noch analog geschieht. Um den Rechnungseingang zu erfassen, müsste er sich im Büro befinden. Neue digitale Tools lösen dieses Problem. Beispielsweise gibt es spezielle Scanner für die Buchhaltung, die Rechnungen einscannen und direkt auf einem Server hinterlegen. Dann könnte der Buchhalter von zu Hause aus auf die Rechnungen zugreifen.

Das Beispiel zeigt auch, dass die Digitalisierung in vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen noch nicht weit genug vorangeschritten ist. Das fängt schon bei den Unternehmensdaten an, die viel zu lückenhaft und unstrukturiert in den verschiedenen Systemen abgelegt sind. Diese Daten müssten die Unternehmen erst einmal in Ordnung bringen, um überhaupt neue digitale Tools einführen zu können.

Das ist dann natürlich nicht nur gut für den Arbeitnehmer, sondern auch für die Unternehmen, um effizienter zu werden. Sie gewinnen in Echtzeit neue wichtige Erkenntnisse über Chancen und Risiken und können die eigenen Produkte durch digitales Doping zukunftsfähiger machen.

Homeoffice braucht Sicherheitskonzept gegen Hackerangriffe

Durch das Homeoffice werden viele Schwachstellen geschaffen, die durch ein geplantes Sicherheitskonzept eingedämmt werden müssen.

Wieder als Beispiel der Buchhalter. Er muss auf diverse Konten im ERP-System zugreifen. Dazu müssen die Unternehmen Schnittstellen einrichten, um diese Zugriffe von außerhalb auf Unternehmensdaten zu ermöglichen. Doch solche Schnittstellen können schnell zu Schwachstellen werden.

Es gibt beispielsweise für den Einkauf bestimmte Tools, durch die man auf die nötigen Daten, aber nicht gleich auf das ganze ERP-System zugreifen kann. Hackerangriffe, während man auf die Server zugreift, lassen sich so vermeiden.

Probleme mit zu geringen Bandbreiten

Als nächstes müssen sich die Arbeitnehmer um die Leistungen ihres Internetzugangs kümmern. Beispielsweise kann bei einer komplexer Konstruktions-Software eine übliche Internetverbindung nicht ausreichen. Wir hatten Fälle in unserem Projektgeschäft, dass uns Mitarbeiter des Kunden die erforderlichen Daten aufgrund ihrer Mengen erst übermitteln konnten, sobald sie wieder vor Ort im Unternehmen waren.

Vielen Dank für das Interview!

 

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Christian Fischer
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