Elektro-Schock! Komponentenpreise explodieren

Elektro-Schock! Komponentenpreise explodieren

Wie Unternehmen sich jetzt Elektronikbauteile sichern

Der deutsche Mittelstand ist stark von der derzeitigen Rohstoffknappheit getroffen und auch Elektronikbauteile sind auf einem Nachfragehoch. Über die Marktlage, die Ursachen der Preisexplosion sowie kurz- und langfristige Strategien zur Versorgungssicherung sprechen wir mit Jörg Menkhaus, Senior Manager bei Kloepfel Consulting.

Wie sieht die aktuelle Marktsituation bzw. Versorgungslage bei welchen Elektronik Themen aus?

Die wirtschaftliche Entwicklung in Asien und den USA verlief im letzten Jahr überraschend: In Asien ein starkes Wachstum, in den USA zumindest nicht so abgeschwächt, wie es prognostiziert wurde. Doch viele Anbieter von Chips, Halbleitern etc. hatte eine schlimmere Wirtschaftslage vorhergesagt und dementsprechend ihre Kapazitäten in den Fabriken reduziert. Teilweise wurden nicht rentable Produktionsstandorte geschlossen – insbesondere in Asien.

Daraus resultiert nun eine viel höhere Nachfrage nach Elektroteilen. Das Resultat: Im Markt erfahren aktuell die Anbieter von Elektronik und Elektrobauteilen ein starkes Wachstum. Dieses Wachstum schafft nicht nur eine angespannte Spot-Marksituation, sondern schafft auch mittelfristig bleibende Auswirkung – es zeigt sich eine für viele überraschende Entwicklung zum Verkäufermarkt. Unterm Strich hat sich die Situation teilweise verschärft, auch wenn ich sie momentan noch nicht als dramatisch bezeichnen würde.

Welche Auswirkungen drohen oder sind bereits beobachtbar?

Zunächst kommt es im Bereich von Elektronikbauteilen wie Schaltgeräten bereits zu stark verlängerten Lieferzeiten. Diese sind bereits an der Tagesordnung und zu berücksichtigen.

Überdies bereiten die Rohstoffpreisentwicklung beispielsweise bei Stahl, Aluminium und Kupfer vielen Unternehmern Kopfzerbrechen. Der Einkauf wird mit Forderungen der Lieferanten nach teilweise gravierenden Preiserhöhungen konfrontiert. Insbesondere im Öl-, Stahl- und Kunststoffbereich gibt es den Trend zu massiv erhöhten Preisforderungen, teilweise im zweistelligen Prozentbereich.

Welche Komponenten und welche Branchen sind betroffen?

Besonders betroffen sind momentan Teile und Komponenten, die digitale Anwendungen unterstützen. Aber auch Umfänge, die beispielsweise für die Batteriezellenfertigung benötigt werden. Das erklärt auch die massiven Auswirkungen auf die Automobilindustrie: Nicht nur der Anteil von Elektrokomponenten ist in modernen Fahrzeugen hoch, der E-Auto-Boom sorgt auch für einen erhöhten Bedarf an Elektrobauteilen und Elektronik.

 

Welche Folgen hat die aktuelle Marktlage für welche Branchen?

Es entstehen Engpässe in der Versorgung für alle Branchen, die Elektronikbauteile im starken Masse einsetzen und stärker abhängig sind. Neben der Automobilindustrie ist beispielsweise auch bereits der Maschinenbau betroffen. Aus aktuellen Erfahrungen in Kundenprojekten kann ich sagen, dass infolge der Entwicklungen bereits Veränderungen in der Fertigungs- und Montageplanung notwendig werden, um Lieferzeitverzögerungen von teilweise mehreren Monaten entgegenzuwirken.

Was bedeutet das für die Fertigungs- und Montageplanung konkret?

Nehmen wir ein Beispiel: Wenn für einen großen Hersteller die Lieferung von Schaltgeräten für Schaltschränke statt sechs plötzlich 30 Wochen dauert, führt das zu beschränkter Verfügbarkeit bei den Beständen. Entsprechend muss die Montageplanung angepasst werden und nach den Verfügbarkeiten der Teile und Komponenten die Reihenfolge neu festgelegt werden.

Was sind die Ursachen?

Die schlechten Prognosen waren insbesondere durch die Covid-19-Pandemie bedingt, aber auch durch die geopolitischen Entwicklungen wie Zollbeschränkungen oder der eingetretene Brexit. Entsprechend wurden Kapazitäten reduziert. Dann kam es zu den bereits geschilderten, überraschend guten Marktentwicklungen. Insbesondere in Asien, aber auch in den USA. Hinzu kam noch die – zum Glück! – nicht so stark wie prognostiziert eingebrochene Wirtschaftsentwicklung in Europa. Das sind allerdings nicht die einzigen Faktoren. Im Winter 2021 gab es den verheerenden Kälteeinbruch in Texas, wo wichtige Halbleiter-Produzenten lokalisiert sind. Die dortigen Ausfälle trugen zu einer Verschärfung der Engpässe bei. Ebenso spielt eine Rolle, dass sich bis auch die anhaltende, fehlende Investitionsbereitschaft der Unternehmen bemerkbar macht.

Wie abhängig sind deutschsprachige Firmen von der Produktion in Asien?

Es besteht in der Tat bei der Beschaffung von Elektronikbauteilen eine Abhängigkeit deutscher Firmen von asiatischen Bezugsquellen, darunter China. Über die bekannte Wirtschaftspolitik der Volksrepublik China hinausgehend, sehe ich aber keine Forcierung in diesem Bereich.

Was können Unternehmen jetzt kurzfristig tun? Und wie kann Kloepfel Consulting den Firmen kurzfristig unter die Arme greifen?

Momentan bauen Unternehmen vorrangig Sicherheitsbestände in unterschiedlichen Wertschöpfungsstufen auf. Außerdem gibt es Möglichkeiten, die Versorgung abzusichern, indem man Mengenkontrakte mit festen Abnahmevolumen abschließt, die in der Regel 18 bis 24 Monatsbedarfe abdecken. Bei einer Kontingentierung spielen langfristige Lieferantenbeziehungen eine ausschlaggebende Rolle. Dabei kann Kloepfel Consulting selbstverständlich unterstützen, weil wir gute Beziehungen zu Anbietern pflegen. Außerdem identifizieren wir über unsere Lieferantennetzwerke alternative Lieferquellen Lager- und Restbestände, die sich dem Kunden sonst nicht auftun würden.

Was müssen Unternehmen langfristig tun? Wie kann Kloepfel Consulting bei nachhaltigen Lösungen unterstützen?

Langfristig sollten bereits im Entwicklungsprozess Teile und Komponenten von mindestens zwei Herstellern geprüft und freigegeben werden, wo die Anwendungen dies zulassen. Aber in Ausnahmefällen oder bei monopolistischen Beziehungen ist das nicht möglich. Dann muss überlegt werden, wie das Risiko reduziert werden kann: Etwa für den Lebenszyklus eines Produktes auf vertraglicher Basis oder Bestätigung von festen, verpflichtenden Bestellungen und Sicherheitsbeständen des Unternehmens. Hierbei kann die Vertriebsseite unterstützen, indem sie mit den Kunden entsprechende Abnahmeverpflichtungen bzw. Vormaterialfreigaben über Lebenszyklen vereinbaren. Die Möglichkeit, bei gravierenden Preisausschlägen Anpassungen von Verkaufspreisen auf Basis von Preisgleitklauseln weiterzureichen, ist eine weitere vertragliche Möglichkeit zur Risikominderung und ohnehin üblich.

Wichtig in diesem Zusammenhang ist, über eine kontinuierliche Marktbeobachtung Entwicklungen möglichst frühzeitig zu erkennen. Nur dann lässt sich gegensteuern. Auch hier kann unsere Beratungsunterstützung weiterhelfen. Durch die vielfältigen Projektaktivitäten von Kloepfel Consulting besteht eine hohe Markttransparenz. So können wir ein Konzept mit den jeweiligen Unternehmen gemeinsam erarbeiten, welches dann zu einem wertvollen Baustein im Risikomanagement wird.

Wie wird sich der Markt in den kommenden Monaten entwickeln?

Eine Einschätzung ist relativ schwierig, da auch im Bereich der Elektronik die Veränderungen und auch Engpass-Situationen in immer kürzeren Abständen eintreten. Das ist auch darauf zurückzuführen, dass sich die Elektronikbranche sehr stark konsolidiert hat und die Hersteller überwiegend in Asien und USA sitzen. Die Lieferketten für Elektronikbauteile sind überdies dem Risiko immer wieder aufkeimender Handelskonflikte ausgesetzt. Der Gesamtmarkt wächst Dank der Megatrends zu Digitalisierung und Automatisierung. Immer mehr Bereiche werden mit Elektronikkomponenten durchdrungen. Während Corona wurden Läger zur Schonung der Liquidität zu stark abgebaut. Das führt zu einem Nachholbedarf bei anziehender Wirtschaft.

Eine vorsichtige Einschätzung der bewegten Lage ist, dass die Kapazitäten bei der Bedarfsentwicklung nunmehr kurz- und mittelfristig wieder aufgebaut werden, um den gestiegenen Bedarf in akzeptablen Lieferfristen wieder zu decken. In Abhängigkeit des weiteren Abklingens der Pandemie sehe ich mittelfristig eine Entspannung der Situation. Auf dem Markt wird sich ein neues Gleichgewicht einpendeln. In dieser Lage lässt sich dann auch Kapazität wieder entspannter aufbauen.

Herr Menkhaus, wir danken für das Gespräch!

Pressekontakt
Kloepfel Consulting
Gerrit M. Schneider
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