Beschaffungsmarkt Polen Check

Beschaffungsmarkt Polen Check

Diesmal nehmen wir den Beschaffunfsmarkt Polen ins Visier. Wir haben uns darüber informiert, welche Kriterien unser Nachbarland für Ihren Einkauf mit sich bringt. So setzen wir mit Teil 7 die Reihe fort.

Ist die Realität wirklich so schlecht wie das Image?

Früher galt Polen als eines der ärmsten Länder Europas und trägt diesen Ruf bis heute. Fakt ist jedoch, dass selbst in Wirtschaftskrisen ein Wirtschaftswachstum verzeichnet werden konnte. Dies liegt vor allem daran, dass die Verschuldung des öffentlichen Haushalts Polens sehr gering ist, aber auch der Bankensektor sehr gut reguliert wird. Das bietet auch Vorteile für deutsche Einkäufer. Welche Vorteile das genau sind, erfahren Sie in unserem Beschaffungsmarkt-Check für Polen.

Krótkie fakty – kurze Fakten

Polen ist nicht nur der größte Handelspartner Deutschlands in Osteuropa, auch die Importe aus Polen sind deutlich höher als die Importe anderer Niedriglohnländer. Zudem wirken sich die geringen Lohnkosten, das hohe Wirtschaftswachstum sowie die hoch qualifizierten Arbeitskräfte positiv auf die Wirtschaft aus. Polen bietet historisch gewachsene Produktionsstrukturen in den Bereichen Automobilbau und Zulieferung, Maschinen- und Anlagenbau, Elektronik, Chemie, Möbel sowie Textil und Bekleidung.

Wichtigster Beschaffungsmarkt für deutsche Industrie

Das Wirtschaftswachstum Polens lag im Jahr 2018 bei 3,2%, Tendenz steigend. Die Inflationsrate lag 2018 bei 2,1%. Es wird mehr Geld herangetrieben als im Import. Dies wird durch die Import- und Exportzahlen deutlich, die 2016 bei 178,2 Milliarden Euro und 183 Milliarden Euro lagen. Allein Deutschland bezieht dabei Importe im Wert von 178,2 Milliarden Euro aus Polen. Seit mehr als zehn Jahren befindet sich Polen im ungebrochenen Wachstum. Währenddessen ist im Jahr 2011 das BIP um 4,3% gewachsen.

Die Republik Polen ist einer der wichtigsten Beschaffungsmärkte für die Industrien in Deutschland, vor allem in den Bereichen Automobil, Maschinen- und Anlagenbau, Elektrotechnik sowie Chemie. Außerdem ist Polen für deutsche Maschinenbauer in den vergangenen Jahren zu einem der wichtigsten und stärksten Handelspartner geworden. Ganze 10,7% machen allein die Kfz-Teile aus und 9,3% aller Ausfuhrgüter sind Maschinen.

Das Top-Unternehmen in Polen ist PKN ORLEN. Der größte Mineralöl- und Petrochemie-Konzern, umfasst heute 550 Star-Tankstellen und verzeichnet einen Umsatz von mehreren Milliarden Euro. Seit 2003 ist das Unternehmen auch in Deutschland vertreten. Seitdem ist der Konzern im stetigen Wachstum und beschäftigt mittlerweile mehr als 20.000 Mitarbeiter in Deutschland. Aber auch der polnische Möbelhersteller Nowy Styl ist außerhalb der Landesgrenzen bekannt und wächst kontinuierlich immer weiter.

Die Bodenschätze Polens

Das 312.679 km² große Land glänzt mit einem hoch qualitativen Braun- und Steinkohle Vorkommen, welches sich vor allem im südlichen Polen, in der Region Oberschlesien, befindet. Neben Kohle birgt das Land dort ebenfalls große Mengen Kupfer und Silber. Erst vor kurzem wurden riesige Mengen Erdgas entlang der Weichsel entdeckt.

Seit 2016 wächst die Wirtschaft vor allem in den Bereichen Bildungs-, Forschungs- und Innovationspolitik. Deutschland spielt dabei als Kooperationspartner in den Bereichen Wissenschaft und Technologie eine wichtige Rolle.

Polen hat die zweite und dritte Stufe der Industrialisierung verpasst, weshalb der Einsatz von Robotern in Produktionsstätten noch immer selten zu sehen ist. In den kommenden Jahren will Polen jedoch die Chance der vierten Industrialisierung ergreifen und seine Produktionen vermehrt digitalisieren.

In Sachen Klimaschutz ist Polen eher zurückhaltend. Eine Generalüberholung des Energiesystems steht für das Land nicht zur Debatte. Daher ist der Anteil der erneuerbaren Energiequellen niedrig. Polen setzt weiterhin lieber auf Modernisierungen des Kraftwerkparks, welcher vor allem auf Braunkohle setzt. Jedoch soll noch im Jahr 2019 vermehrt in Windenergie investiert werden, um einen Anteil von 15% erneuerbaren Energien für das Jahr 2020 zu erzielen.

Die Einwohnerzahl Polens liegt bei 37,98 Millionen. In Polen gehen 66,1% der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64 Jahren einer bezahlten Beschäftigung nach. Dieser Wert liegt unter dem OECD-Durchschnitt von 67,8%.

Anfang 2019 lag die Arbeitslosenquote bei rund 3,5%. Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist dies eine recht niedrige Arbeitslosenzahl. Seit dem Umschwung 1989 ist das die beste erreichte Quote des Landes. Die durchgehend positive Lage bringt jedoch auch Probleme mit sich. Da Branchen und Unternehmen sich durchgehend im Wachstum befinden, herrscht ein Mangel an Fachkräften. Daraus folgend wächst ebenfalls der Bedarf an Arbeitskräften aus dem Ausland. Ein Ausgleich des Fachkräftemangels durch den Einsatz von Flüchtlingen ist nur schwer möglich, da die Integrationshilfen nur wenig dafür tun, dass Fachkräfte integriert werden und so Fuß auf dem Arbeitsmarkt fassen können.

20% der polnischen Bürger besitzen einen Hochschulabschluss, der oft an einer der namhaften technischen Hochschulen in Warschau, Breslau, Krakau oder Lodz absolviert wurde. Auch das Qualifikationsniveau an der Werkbank ist deutlich gewachsen. Etwa zwei Prozent der Erwerbstätigen arbeiten im Bergbau.

Fußball-EM ließ Infrastruktur glänzen

Allein die Infrastruktur Polens bietet sehr gute Konditionen für deutsche Einkäufer, die planen zukünftig Waren aus Polen zu beziehen. Durch die Fußball-Europameisterschaft 2012 hat Polen sein Autobahnnetz erweitert und ausgebaut. Der bedeutendste Hafen Polens, Danzig, macht sogar dem Hamburger Hafen Konkurrenz. Nicht ganz so gut sind jedoch die Voraussetzungen für Just-in-Time-Lieferungen. Da die Zollbeamten an der Grenze zwischen Deutschland und Polen noch immer viele LKWs abfertigen, werden die Grenzüberfahrten dadurch meist sehr zeitaufwendig. Das Eisenbahnnetz ist mit einer Länge von 19.837 Kilometern jedoch sehr gut aufgestellt.

Was gilt zu beachten?

Um an die Ostseeküste Polens zu gelangen, erhebt das Land Mautgebühren. Die Autobahnen A1, A2 und A4 sind in Polen für alle Fahrzeugtypen kostenpflichtig. Es hängt natürlich vom Fahrzeug und der Länge der Strecke ab, wie viel gezahlt werden muss. Fahrzeuge ab einem zulässigen Gesamtgewicht von über 3,5 t müssen auf allen Schnell- und Fernstraßen eine Mautgebühr entrichten. Polen besitzt keine Vignette. Das Mautsystem gleicht dem der Länder Italien und Frankreich. Bei der Auffahrt wird eine Mautkarte gezogen, die an einer Mautstation abgerechnet wird, sobald die Autobahn verlassen wird. Nur selten und auf wenigen Teilstücken wird ein Pauschalbetrag fällig.

Sollen mehr als 10.000 Euro Bargeld nach Polen eingeführt werden, sollte dies im Vorfeld beim Zoll angemeldet werden. Dies gilt auch für andere Zahlungsmittel. Ist geplant, dass Waren nach Polen oder umgekehrt transportiert werden, müssen mengenmäßige Beschränkungen beachtet werden. Was die Reisefreigrenze betrifft, ist es entscheidend, aus welchem Staat man einreist. Besonders zu beachten ist, wenn man aus Russland, Weißrussland oder der Ukraine nach Polen Waren auf einem anderen als dem Luft- oder dem Seeweg beschaffen will.

Fazit

Der Polnische Beschaffungsmarkt bietet großes Potenzial für eine erfolgreiche Zukunft. Außerdem bietet die Infrastruktur die besten Voraussetzungen um aus Polen zu Importieren. Es ist nicht nur schonend für die Umwelt, sondern auch kostensparend. Ebenso ist das hohe Aufkommen von Kupfer und Silber ein Vorteil bei der Produktion von Computertechnik.

Wollen auch Sie vom Know-how unseres Experten profitieren? Dann kontaktieren Sie uns jetzt unter +49 211 875 453 23 oder unter info@kloepfel-consulting.com

Teil 1: Beschaffungsmarkt Russland – Das WM-Gastgeberland im Check

Teil 2: Beschaffungsmarkt Mexiko – Mehr als nur Siesta!

Teil 3: Beschaffungsmarkt Schweden – Wie stark ist unser Vorrundengegner eigentlich?

Teil 4: Beschaffungsmarkt Südkorea – Der WM-Gegner im Check

Teil 5: Beschaffungsmarkt Schweiz – Unser Nachbarland im Check

Teil 6: Beschaffungsmarkt Brasilien: Alles süß im Land des Zuckerhuts?

Quelle: www.kloepfel-consulting.com

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