Wirtschaftliche Lage Deutschlands im Mai 2021

Wirtschaftliche Lage Deutschlands im Mai 2021
  • Die Wirtschaftsleistung im ersten Quartal 2021 schrumpfte aufgrund der Corona-Einschränkungen um 1,7 %[1],[2]. Für das Gesamtjahr 2021 stehen die Zeichen jedoch auf wirtschaftliche Erholung. Die Fahrt aufnehmende Impfkampagne und eine starke Weltwirtschaft verbreiten wachsende Zuversicht. Im Jahresdurchschnitt 2020 ging die Wirtschaftsleistung noch um 4,8 % zurück.
  • Die Produktion in der Industrie war am Ende des ersten Quartals wieder aufwärtsgerichtet, auch wenn es in einzelnen Bereichen zu Engpässen bei Vorprodukten kam. Die Auftragseingänge setzten ihren Aufwärtstrend fort, getragen durch eine starke Inlandsnachfrage. Die Stimmung in den Industrieunternehmen entwickelte sich weiter positiv. Im Baugewerbe kam es nach witterungsbedingten Rückgängen in den Vormonaten im März wieder zu einer deutlichen Ausweitung der Produktion.
  • Die Umsätze im Einzelhandel erholten sich im März von niedrigem Niveau aus kräftig, aber der Ausblick trübte sich angesichts abermals verlängerter Kontaktbeschränkungen wieder ein. Im Vergleich zum Vorjahresmonat, dem ersten von der Pandemie gekennzeichneten Berichtsmonat, konnten alle Bereiche zulegen, am stärksten der Internet- und Versandhandel.
  • Am Arbeitsmarkt hält die Frühjahrsbelebung an. Die Arbeitslosigkeit erhöhte sich im April saisonbereinigt nur leicht und die Erwerbstätigkeit nahm im März saisonbereinigt geringfügig zu. Die Anzeigen für Kurzarbeit deuten darauf hin, dass die Kurzarbeit ihren Höhepunkt in diesem Jahr erreicht haben könnte und damit deutlich unter ihrem Spitzenniveau vom Frühjahr 2020 geblieben ist.
  • Der Anstieg der eröffneten Regelinsolvenzverfahren vom Februar und März setzte sich nicht weiter fort. Im April kam es zu einem deutlichen Rückgang. Insgesamt ist für das Jahr 2021 jedoch mit einem signifikanten Anstieg der Unternehmensinsolvenzen zu rechnen.

FORTSCHREITENDE IMPFKAMPAGNE SCHAFFT ZUVERSICHT: POSITIVE ERWARTUNGEN TROTZ ANHALTENDER BESCHRÄNKUNGEN

Die wirtschaftliche Lage präsentiert sich im Mai zweigeteilt: Während die Dienstleistungsbereiche nach wie vor durch die Maßnahmen zur Bekämpfung der Pandemie eingeschränkt sind, zeigt sich die Industriekonjunktur vergleichsweise robust. Der industrielle Ausstoß ist im ersten Quartal zwar leicht gesunken, aber die Gründe hierfür sind nicht in einer mangelnden Nachfrage zu sehen, sondern beruhen auf Lieferengpässen von Halbleiterprodukten, die vor allem die Produktion in der Automobilindustrie beeinträchtigten. So stehen dem Rückgang bei der Produktion eine positive Entwicklung bei den Auftragseingängen und sehr zuversichtliche Exporterwartungen gegenüber. Die Stimmung in den Unternehmen ist so gut wie lange nicht mehr. Die wirtschaftliche Aktivität in vielen Dienstleistungsbereichen bleibt derweil von den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung geprägt. Das GfK Konsumklima hat sich im April aufgrund der anhaltenden Lockdownbestimmungen verschlechtert und verbleibt auf niedrigem Niveau. Allerdings stimmen die neuesten Zahlen zum Impffortschritt zuversichtlich und machen Hoffnung für die von den Beschränkungen betroffenen Bereiche. Die weitere Entwicklung der Wirtschaft hängt nun maßgeblich davon ab, wie nachhaltig das Infektionsgeschehen kontrolliert werden kann und wie schnell damit weitere Lockerungen möglich werden.

Im Rückblick hat die konjunkturelle Erholung im Schlussquartal 2020 durch eine zweite Pandemiewelle und den daraufhin vorgenommenen Maßnahmen zur Eindämmung deutlich an Schwung verloren. Dennoch wird für das Gesamtjahr 2021 ein Aufschwung erwartet, auch wenn die dritte Welle der Pandemie für ein schwaches erstes Quartal 2021 gesorgt hat (-1,7 % laut Schnellmeldung des Statistischen Bundesamts). Umso stärker können jedoch die Wachstumsimpulse sein, wenn die Beschränkungen aufgehoben werden und alle Bürgerinnen und Bürger ein Impfangebot bekommen haben. Dann dürfte auch der zuletzt schwächelnde private Konsum wieder anziehen, der besonders stark auf soziale Kontakte angewiesen ist. Gleichzeitig zeigt sich der deutsche Außenhandel und die damit eng verbundene Industriekonjunktur robust. Auch der Arbeitsmarkt konnte trotz der Belastungen durch die Pandemie eine Frühjahrsbelebung verzeichnen. Die Anzeigen für Kurzarbeit am aktuellen Rand deuten darauf hin, dass der Höhepunkt überschritten sein könnte und von nun an mit rückläufigen Zahlen zu rechnen ist.

POSITIVER AUSBLICK FÜR DIE WELTKONJUNKTUR

Die Weltkonjunktur bleibt auf Erholungskurs, auch wenn sie nach wie vor im Schatten der Pandemie steht. Die globale Industrieproduktion ging im Februar leicht um 0,3 % zurück, nachdem allerdings in den neun Monaten zuvor Zuwächse zu verzeichnen gewesen waren. Der weltweite industrielle Ausstoß übertraf sein Vorkrisenniveau damit weiterhin merklich. Der Welthandel indes legte im Februar weiter leicht zu (+0,3 %) und lag ebenfalls spürbar über seinem Vorkrisenniveau. Die Stimmungsindikatoren deuten auf eine weitere Erholung der Weltwirtschaft hin. Der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan/IHS Markit verbesserte sich im April erneut und notierte mit 56,3 Punkte (März: 54,8 Punkte) klar oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Ein Grund für die Zuversicht dürften die fortschreitenden weltweiten Impfkampagnen sein. Die Stimmung bei den Dienstleistern verbesserte sich deutlich und war erstmals wieder besser als in der Industrie. Dass die Stimmung in den Industrieunternehmen weniger stark zunahm, ist im Zusammenhang mit den weltweiten Engpässen bei Vorprodukten wie zum Beispiel Computerchips und Holz zu sehen.

EXPORTE NÄHERN SICH ALLMÄHLICH IHREM VORKRISENNIVEAU AN

Der deutsche Außenhandel nahm weiter spürbar zu. Der Wert der Waren- und Dienstleistungsexporte stieg im März gegenüber dem Vormonat saisonbereinigt und nominal um 0,9 %, nach Zuwächsen von 2,3 % bzw. 1,5 % im Januar und Februar. Im Quartalsvergleich ergab sich ein deutlicher Zuwachs von 3,7 % bei den Exporten. Die Importe erhöhten sich im März kräftig um 4,7 % (Februar +3,3 %, Januar -0,6 %). Im Quartalsvergleich kam es zu einem Plus von 4,0 %.

Auf nationaler Ebene spiegeln sich die Beschränkungen aufgrund der Pandemiebekämpfung ebenfalls kaum in den Frühindikatoren zur Außenwirtschaft wider, die von der Industrie dominiert wird. Der Saldo der ifo Exporterwartungen für das Verarbeitende Gewerbe erhöhte sich im April erneut, ein höherer Wert war zuletzt vor über zehn Jahren im Januar 2011 verzeichnet worden. Die Auftragseingänge aus dem Ausland nahmen im März spürbar um 1,6 % zu, nachdem sie sich im Februar leicht verringerten (‑0,2 %). Der Ausblick für den deutschen Außenhandel ist somit insgesamt positiv, insbesondere angesichts der guten Konjunktur in Asien und den Vereinigen Staaten.

INDUSTRIEKONJUNKTUR: POSITIVER AUSKLANG EINES SCHWACHEN QUARTALS

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe ist im März gegenüber dem Vormonat deutlich gestiegen, was maßgeblich auf das Baugewerbe zurückzuführen war. Der Ausstoß wurde um 2,5 % ausgeweitet, nachdem es allerdings im Februar und Januar zu Rückgängen um 1,9 % und 2,2 % gekommen war. Die Industrie verzeichnete zuletzt ein Plus von 0,7 % (Februar: -1,9 %, Januar: -0,6 %). Die Erzeugung im Baugewerbe zeigte im März ein kräftiges Wachstum von 10,8 %, nachdem sie sich in den beiden Vormonaten witterungsbedingt Dämpfer erhalten hatte (-1,4 % bzw. -10,7 %). Im ersten Quartal verringerte sich der Ausstoß im Produzierenden Gewerbe insgesamt leicht um 0,9 %. Während die Produktion in der Industrie nur geringfügig um 0,3 % abnahm, meldete der Bau ein deutliches Minus von 4,0 %. Innerhalb der Industrie verzeichnete die Automobilindustrie einen Rückgang um 12,1 %, während der Maschinenbau um 6,0 % zulegen konnte.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe nahmen im März erneut kräftig um 3,0 % zu und lagen damit bereits den sechsten Monat in Folge über ihrem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor Ausbruch der Pandemie. Den Ausschlag für den jüngsten Anstieg gab wieder die starke Inlandsnachfrage (+4,9 %), aber auch die Bestellungen aus dem Ausland nahmen merklich zu (+1,6 %). Vor allem die Aufträge in den Wirtschaftszweigen Maschinen, Datenverarbeitungsgeräte, elektronische und optische Erzeugnisse sowie Sonstige Fahrzeuge trugen zum Anstieg der Auftragseingänge bei. Bereinigt um Großaufträge nahmen die Ordereingänge um 1,6 % zu. Im Quartalsvergleich kam es insgesamt zu einem kräftigen Auftragsplus von 2,4 %.

Der Ausblick für die Industriekonjunktur bleibt positiv. Das ifo Geschäftsklima hat sich weiter leicht verbessert und die Auftragslage ist sehr gut. Risiken ergeben sich allerdings durch den unsicheren weiteren Verlauf des Pandemiegeschehens und Engpässe bei Vorprodukten wie Computerchips und Bauholz.

DIE LAGE IM EINZELHANDEL ERHOLT SICH, ABER DER AUSBLICK TRÜBT SICH WIEDER EIN

Die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz haben sich zuletzt kräftig erholt. Sie sind im März gegenüber dem Vormonat preis-, saison- und kalenderbereinigt um 7,7 % gestiegen, allerdings von niedrigem Niveau aus. Es war das zweitstärkste Umsatzplus seit März 2020, dem Monat in dem erstmals Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie eingeführt wurden. Das Vorkrisenniveau vom Februar 2020 wurde zuletzt um 4,4 % überschritten. Im Vergleich zum Lockdown-Monat März 2020 kam es preisbereinigt sogar zu einem Anstieg um 5,5 %. Die größten Umsatzsteigerungen konnten der Internet- und Versandhandel verzeichnen. Der Handel einschließlich Kfz erholte sich im Februar gegenüber dem Vormonat etwas (+1,5 %), nachdem es im Januar zu einem kräftigen Rückgang um 11,4 % gekommen war. Die Neuzulassungen von Pkw durch private Halter gingen im April wieder zurück (-7,4 %), zuvor hatten sie sich vom tiefen Einbruch zu Jahresbeginn nach dem Auslaufen der temporären Senkung der Umsatzsteuersätze erholt. Im Vergleich zum Tiefpunkt der Krise im April 2020 hat sich Anzahl der Neuzulassungen jedoch deutlich erhöht.

Die ifo Geschäftserwartungen im Einzelhandel sind im April wieder etwas pessimistischer ausgefallen, nachdem sie sich zuvor von dem massiven Rückgang im Januar erholt hatten. Auch beim GfK Konsumklima zeichnete sich angesichts des Pandemiegeschehens und der verlängerten Kontaktbeschränkungen ein Rückschlag ab.

Das Verbraucherpreisniveau nahm im April gegenüber dem Vormonat um 0,7 % zu, nach einer Steigerungsrate von 0,5 % im März. Die Inflationsrate, die Preisniveauentwicklung gegenüber dem Vorjahr, lag im April bei 2,0 %. Sie hat sich seit dem zweiten Halbjahr 2020 damit deutlich erhöht, als die Inflationsrate aufgrund der Senkung der Umsatzsteuersätze fast durchgehend im negativen Bereich gelegen hatte. Gründe für den Anstieg der Inflationsrate in den ersten Monaten des Jahres sind die Erholung der Import- und Rohstoffpreise sowie die Einführung der CO2-Bepreisung. Während die Energiepreise im letzten Jahr noch den Auftrieb des Verbraucherpreisniveaus stark bremsten, tragen sie inzwischen spürbar zum Anstieg bei. Nach Auslaufen dieser Sondereffekte dürfte sich Auftrieb des Verbraucherpreisniveaus zum Jahreswechsel ins kommende Jahr wieder abschwächen. Eine nachhaltige Erhöhung der Teuerungsrate ist aus heutiger Sicht nicht zu erwarten. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) ging im April nach einer Seitwärtsbewegung seit Jahresbeginn leicht auf +1,3 % zurück (Dezember: +0,4 %).

AM ARBEITSMARKT ZEICHNET SICH EINE FORTSETZUNG DER ERHOLUNG AB

Im Frühjahr ist es am Arbeitsmarkt trotz Belastungen durch die Pandemie zur saisonal üblichen Frühjahrsbelebung gekommen. Diese könnte sich im Zuge von Verbesserungen beim Infektionsgeschehen sogar noch verstärken. Gleichwohl ist der Arbeitsmarkt ein Jahr nach Beginn der Corona- Pandemie immer noch stark von der Krise geprägt. Die Arbeitslosigkeit nahm im April saisonbereinigt leicht um 9.000 Personen zu, während sich die Unterbeschäftigung geringfügig um 3.000 Personen verringerte. Nach den Ursprungszahlen sank die Arbeitslosigkeit spürbar um 56.000 auf 2,77 Millionen Personen. Der Vorjahresabstand ging auf +127.000 Personen zurück, was überwiegend auf einen Basiseffekt im Monat April 2020 zurückzuführen ist. Die Erwerbstätigkeit nahm im März dieses Jahres saisonbereinigt leicht um 16.000 Personen zu, die Nachfrage nach Arbeitskräften hat sich im März weiter belebt. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg im Februar saisonbereinigt um 15.000 Personen an. In Kurzarbeit waren im Februar laut Hochrechnung erneut etwas mehr Personen (3,3 Mio.). Die Anzeigen für Kurzarbeit deuten darauf hin (rund 116.000 vom 1. bis 25. April nach 234.000 im März, 535.000 im Februar und 981.000 im Januar), dass die Kurzarbeit ihren Höhepunkt erreicht haben könnte und damit deutlich unter ihrem Niveau vom Frühjahr 2020 geblieben ist. Die umfragebasierten Frühindikatoren von IAB und ifo entwickelten sich im April erneut positiv und erreichten ihre höchsten Werte seit Januar 2020 bzw. Mai 2019. In der Industrie kommt es zu mehr und mehr Neueinstellungen, während im Gastgewerbe und in der Tourismusbranche weiterhin Personalabbau zu verzeichnen ist.

ANSTIEG DER INSOLVENZEN SETZT SICH VORERST NICHT FORT

Im April ist die Zahl der eröffneten Regelinsolvenzverfahren nicht weiter gestiegen. Auf Basis von Insolvenzbekanntmachungen meldete das Statistische Bundesamt einen Rückgang von 17 % gegenüber dem Vormonat. Auch gemäß dem Insolvenztrend des IW Halle ging die Zahl der Unternehmensinsolvenzen zurück. Der teils deutliche Anstieg in den beiden Vormonaten setzte sich damit nicht weiter fort. Auch wenn eine größere Insolvenzwelle durch die teilweise ausgesetzte Antragspflicht und umfangreiche Unterstützungsmaßnahmen bisher verhindert werden konnte, ist für dieses Jahr insgesamt dennoch mit einem signifikanten Anstieg der Insolvenzzahlen zu rechnen. Die meisten Experten gehen im Vergleich zum Vorjahr von 3.000 bis 7.000 zusätzlichen Unternehmensinsolvenzen aus.

Weitere Informationen

Quelle: www.bmwi.de