Wirtschaftliche Lage Deutschlands im Dezember 2020

Wirtschaftliche Lage Deutschlands im Dezember 2020
  • Die deutsche Wirtschaft konnte ihren Aufholprozess fortsetzen. Die konjunkturelle Dynamik dürfte allerdings im vierten Quartal des Jahres durch den seit Anfang November bestehenden Teil-Lockdown und den jüngst beschlossenen harten Lockdown stärker gedämpft werden.
  • Die Industrieproduktion hat im Oktober weiter zugenommen. Ein starker Wachstumsimpuls ging vom gewichtigen Kfz-Bereich aus. Die Auftragseingänge sprechen zwar für eine Fortsetzung des Erholungsprozesses in der Industrie, aber das Pandemiegeschehen könnte die Entwicklung belasten.
  • Die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz zeigten zuletzt eine leicht aufwärts gerichtete Tendenz. Die Zahl der monatlichen Pkw-Neuzulassungen privater Halter erreichte im November fast die Marke von 120.000 und lag damit spürbar über ihren durchschnittlichen Monatswerten der Jahre 2018 und 2019. Aktuelle Frühindikatoren sprechen aber für eine Verschlechterung des Konsumklimas.
  • Der neue Teil-Lockdown beeinträchtigt den Arbeitsmarkt noch nicht. Im November bzw. Oktober setzte sich die positive Entwicklung bei Arbeitslosigkeit, Kurzarbeit und Erwerbstätigkeit fort. Die deutlich zugenommenen Anzeigen für Kurzarbeit im November deuten auf einen Anstieg der Menschen in Kurzarbeit hin.

Allgemeine Lage: Erholung von Unsicherheit geprägt

Der wirtschaftliche Aufholprozess hat sich zuletzt weiter fortgesetzt, aber der Verlauf der Pandemie stellt ein Risiko dar. Nach einem historischen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts im zweiten Quartal von 9,8 Prozent konnte sich die deutsche Wirtschaft im dritten Quartal wieder spürbar erholen und um 8,5 Prozent zulegen. Sie erreichte damit wieder rund 96 Prozent ihres Niveaus vom Schlussquartal 2019 vor Ausbruch der Pandemie. Im Oktober waren überwiegend weitere Steigerungen der Wirtschaftsleistung zu beobachten. Die Produktion in der Industrie erhielt einen starken Wachstumsimpuls von der Automobilindustrie, die erneut einen kräftigen Zuwachs verbuchen konnte. Die meisten anderen Industriebranchen legten ebenfalls zu. Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe überschritten ihr Niveau vom vierten Quartal 2019 sogar wieder um ca. 3 Prozent. Auch weitere Konjunkturindikatoren zeichneten ein positives Bild: Die Exporte erhöhten sich im Oktober zum sechsten Mal in Folge. Zudem konnte der Einzelhandel seine Umsätze im Oktober erneut steigern. Die Erwerbstätigkeit und die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nahmen weiter zu. Die Arbeitslosigkeit ging im November merklich zurück.

Der weitere Ausblick ist jedoch belastet. Das ifo Geschäftsklima hat sich im November verschlechtert und ist nun per Saldo leicht negativ. Den Ausschlag hierfür gaben die Geschäftserwartungen, die sich ebenso wie die Exporterwartungen deutlich eingetrübt haben. Der seit Anfang November bestehende Teil-Lockdown und die weiteren beschlossenen Maßnahmen zur Verringerung der sozialen Kontakte belasten vor allem das Gastgewerbe sowie Unternehmen in den Sektoren Freizeit und Tourismus. Mit dem jüngst beschlossenen harten Lockdown sind nun aber auch weitere Bereiche betroffen. In den zurückhaltenden Exporterwartungen schlägt sich insbesondere die Stärke der zweiten Covid-Welle in einer ganzen Reihe von europäischen Ländern nieder. Alles in allem dürfte das Wirtschaftswachstum in Deutschland im vierten Quartal einen merklichen Dämpfer erhalten.

Weltwirtschaftliche Entwicklung weiter im Schatten der Pandemie

Die Weltkonjunktur erholt sich nach wie vor, aber die Stimmungsindikatoren fallen verhaltener aus. Die globale Industrieproduktion wurde im September um 0,9 Prozent ausgeweitet und damit den fünften Monat in Folge. Sie hat wieder über 98 Prozent ihres Vorjahresniveaus erreicht. Auch der Welthandel näherte sich mit einer weiteren Ausweitung im September um 2,1 Prozent seinem Vorjahresniveau an (ebenfalls über 98 Prozent). Die Stimmungsindikatoren deuten allerdings derzeit auf eine Verlangsamung des weltwirtschaftlichen Aufholprozesses hin. So ging der zusammengesetzte Einkaufsmanagerindex von J. P. Morgan / IHS Markit im November leicht zurück und lag bei 53,1 Punkten weiterhin oberhalb der Wachstumsschwelle von 50 Punkten. Der Teilindex für die Industrie zeichnet dabei ein deutlich positiveres Bild als derjenige für die Dienstleistungen. Der Pandemieverlauf und die in vielen Ländern verhängten Lockdown-Maßnahmen, die primär Dienstleistungsbranchen betreffen, dürften hierbei eine Rolle gespielt haben.

Leichte weitere Erholung des Außenhandels

Die Ausfuhren von Waren und Dienstleistungen regenerierten sich auch im Oktober, allerdings mit verringertem Tempo. Im Oktober erhöhte sich ihr Wert saisonbereinigt und nominal gegenüber dem Vormonat um 1,5 Prozent und damit zum sechsten Mal in Folge. Im Zweimonatsvergleich September/Oktober gegenüber Juli/August ergab sich ein merklicher Anstieg um 3,7 Prozent. Die Waren- und Dienstleistungseinfuhren nahmen im Oktober gegenüber dem Vormonat nur leicht um 0,7 Prozent zu. Im Zweimonatsvergleich kam es zu einem Zuwachs um 2,4 Prozent.

Das erstarkte Pandemiegeschehen und die Lockdown-Maßnahmen wichtiger Handelspartner spiegeln sich nur zum Teil in den nationalen Frühindikatoren zur Außenwirtschaft wider, die ein gemischtes Bild zeichnen. Die ifo Exporterwartungen des Verarbeitenden Gewerbes für die kommenden drei Monate, die bereits im Oktober rückläufig waren, drehten im November per Saldo ins Negative. Maßgeblich hierfür ist die kräftige zweite Pandemie-Welle in vielen europäischen Ländern. Die Auftragseingänge aus dem Ausland setzten im Oktober (+3,2 Prozent) allerdings ihren im Mai begonnenen Aufwärtstrend fort. Die Aussichten für den deutschen Außenhandel werden durch die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung gedämpft. Dies dürfte aber stärker die Dienstleistungen und weniger das Produzierende Gewerbe betreffen.

Industriekonjunktur erhält starken Impuls aus Kfz-Bereich

Die Produktion im Produzierenden Gewerbe setzte im Oktober ihre Erholung fort. Sie erhöhte sich gegenüber dem Vormonat um 3,2 Prozent. Für den September wurde nunmehr nach einer Datenrevision ein höheres Plus von 2,3 Prozent gemeldet. Im Oktober wurden sowohl in der Industrie als auch im Baugewerbe Zuwächse verzeichnet (+3,3 Prozent bzw. +1,6 Prozent). Innerhalb der Industrie ging ein starker Wachstumsbeitrag vom Kfz-Bereich aus, der ein Plus von 9,9 Prozent verbuchte. Auch die meisten anderen Industriebranchen meldeten Zuwächse. Im Zweimonatsvergleich September/Oktober gegenüber Juli/August ergab sich eine Zunahme der Produktion im Produzierenden Gewerbe um 4,1 Prozent. In der Industrie und im Baugewerbe kam es jeweils zu einem Plus von 4,0 Prozent und im Energiebereich von 5,9 Prozent.

Die Auftragseingänge im Verarbeitenden Gewerbe setzen im Oktober ihre kontinuierliche Erholung seit Mai 2020 fort und nahmen im Oktober noch einmal um 2,9 Prozent zu. Im Zweimonatsvergleich ergab sich ein Anstieg um 5,0 Prozent. Die Ordereingänge aus dem Inland und aus dem Nicht-Euroraum legten stärker zu als diejenigen aus dem Euroraum. Insgesamt überschritten die Bestellungen zuletzt im Oktober ihr Niveau vom vierten Quartal 2019 vor der Pandemie-Krise um rund 3 Prozent. Im Kfz-Bereich waren es sogar ca. 8 Prozent und im Maschinenbau fast 5 Prozent.

Das Produzierende Gewerbe arbeitet sich allmählich aus der Krise. In der Industrie lag die Produktion zuletzt bei nahezu 96 Prozent ihres Niveaus im vierten Quartal 2019. Auch wenn die Auftragseingänge auf eine Fortsetzung des Erholungsprozesses hindeuten, bleibt der weitere Verlauf der Industriekonjunktur angesichts des Pandemiegeschehens und des Lockdowns von Unsicherheit geprägt.

Einzelhandel leicht aufwärts gerichtet

Die Umsätze im Einzelhandel bewegen sich seit Mai deutlich über ihrem Vorkrisenniveau. Im Oktober haben sich die Umsätze im Einzelhandel ohne Kfz um 2,6 Prozent erhöht, nach einer Abnahme um 1,9 Prozent im Vormonat. Der Handel mit Kfz erhöhte sich im September um 1,9 Prozent, nach einem Rückgang um 3,9 Prozent im August und einem sehr kräftigen Plus von 23,0 Prozent im Juli. Sein Niveau vom Februar vor der Corona-Pandemie übertraf er erneut spürbar. Die Neuzulassungen von Pkw durch private Halter stiegen im November um 14 Prozent (Oktober +2,3 Prozent). Die Zahl der Neuzulassungen durch private Halter lag zuletzt bei fast 120.000 Pkw pro Monat und damit merklich über den durchschnittlichen Monatswerten in den Jahren 2018 und 2019.

In den Frühindikatoren spiegelt sich das Infektionsgeschehen der vergangenen Wochen und der Teil-Lockdown wider, aber noch nicht der am 13. Dezember beschlossene harte Lockdown. Das ifo Geschäftsklima im Einzelhandel gab im November spürbar nach, insgesamt überwiegen nun die negativen Einschätzungen. Beim GfK Konsumklima wird für Dezember eine weitere Verschlechterung erwartet.

Die Verbraucherpreise sind im November gegenüber dem Vormonat spürbar um 0,8 Prozent gesunken. In den Vormonaten hatte die befristete Senkung der Steuern auf den Umsatz, die zu einem beachtlichen Teil an die Verbraucher weitergegeben wurde, spürbar preisdämpfend gewirkt. Ausschlaggebend für den aktuellen Preisrückgang waren jedoch die Pauschalreisen, die sich gegenüber dem Vormonat deutlich verbilligten, allerdings werden diese weitaus geringer nachgefragt als zu dieser Jahreszeit üblich. Die Inflationsrate, die Preisentwicklung gegenüber dem Vorjahr, lag im November bei -0,3 Prozent (Oktober: 0,2 Prozent). Eine so niedrige Inflationsrate war zuletzt im Januar 2015 gemeldet worden. Dabei sanken die Preise für Energieprodukte und Pauschalreisen um 7,7 Prozent bzw. 4,4 Prozent. Bei Nahrungsmitteln (+1,4 Prozent) und Wohnungen (+1,3 Prozent) blieb die Teuerungsrate gleich. Bei Dienstleistungen stieg sie leicht auf 1,1 Prozent an. Die Kerninflationsrate (ohne Energie und Nahrungsmittel) lag im November unverändert bei +0,5 Prozent.

Auswirkungen am Arbeitsmarkt weniger stark – aber Kurzarbeit dürfte wieder vermehrt in Anspruch genommen werden

Mit der Belebung im dritten Quartal entwickelte sich auch der Arbeitsmarkt freundlicher. Die Beschäftigung nahm seit dem Sommer leicht zu und die Arbeitslosigkeit und Unterbeschäftigung verringerten sich bei abflachender Kurzarbeit. Nach dem Teillockdown zeichnet sich aber bei der Kurzarbeit ein erneuter Anstieg ab. Im Oktober nahm die saisonbereinigte Erwerbstätigkeit um 20.000 Personen den vierten Monat in Folge zu. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt allerdings, auch aufgrund geringer Fluktuation, zurückhaltend. Die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung stieg im September saisonbereinigt mit 31.000 Personen recht kräftig. Die Kurzarbeit wurde im September von 2,2 Mio. Beschäftigten Anspruch genommen, das waren ca. 330.000 Personen weniger als im August. Allerdings deuten die im Zeitraum vom 1. bis 25. November eingegangenen Anzeigen für Kurzarbeit (für 537.000 Personen) einen spürbaren Wiederanstieg an. Die registrierte Arbeitslosigkeit sank im November saisonbereinigt um 39.000 Personen. Nach den Ursprungszahlen nahm die Arbeitslosigkeit auf 2,70 Mio. Personen ab. Der Vorjahresabstand hat sich seit dem Sommer um fast 120.000 auf +519.000 Personen verringert. Die umfragebasierten Frühindikatoren von IAB, ifo und der BA legten zu Beginn des Teil-Lockdown noch etwas zu.

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Quelle: www.bmwi.de