So schlecht steht es wirklich um den Maschinenbau

So schlecht steht es wirklich um den Maschinenbau

Auftragszahlen brechen immer weiter ein

Für den Maschinenbau könnte es derzeit durchaus besser laufen. Der Branchenverband VDMA gab nun bekannt, dass die Zahl der Bestellungen schon im siebten Monat am Stück unter dem Vorjahresniveau liegt. Der aktuell erreichte Wert sorgt für Unruhen.

Die deutsche Industrie bewegt sich immer weiter auf dem Abstiegskurs. Zahlreiche Branchen haben mit einer rückläufigen Zahl an Aufträgen zu kämpfen. So waren es im verarbeitenden Gewerbe rund 2,7 Prozent weniger Bestellungen als im Vorjahr und sogar 5,6 Prozent weniger als im vorherigen Kalendermonat. Eine besonders große Rolle spielt dabei der Maschinenbau. Bereits seit acht Monaten gehen die Aufträge in der Branche zurück. Eine Besserung ist derweil nicht in Sicht. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum betrug die Zahl der Bestellungen rund drei Prozent weniger.

„Zwar ist der Abschluss damit weniger trübe ausgefallen als in den Monaten zuvor“, sagt Ralph Wiechers, VDMA-Chefvolkswirt. Wirft man einen Blick auf den Drei-Monats-Vergleich der Monate Mai bis Juli so sieht man einen Rückgang von acht Prozent verglichen mit dem Vorjahreswert.

Laut Wiechers wird es in der nächsten Zeit erst einmal nicht zu einer Besserung der Zahlen kommen. „Der Trend zeigt weiter nach unten, und die Geschäfts- und Exporterwartungen bleiben angesichts der konjunkturellen und politischen Risiken für die zweite Jahreshälfte pessimistisch.“ Auch im Tagesgeschäft ist die Situation bereits sehr deutlich zu spüren. Während die Auslastung im Januar noch bei 89,2 Prozent lag, sind es nun nur noch 86,6 Prozent – Tendenz abwärts.

2018 haben die Aufträge laut VDMA durchschnittlich für 8,7 Monate gereicht. Momentan reichen die Rückgänge der Bestellungen schon fast die gleiche Zeit an. Unternehmen der Branche müssen daher aktuell um einiges stärker von ihrer Substanz leben.

Die Einbußen entstehen dabei sowohl im In- als auch im Ausland. Es ist sogar so, dass die Zahl der Bestellungen in den Euro-Länder gewachsen ist, diese Zahl jedoch von dem extrem hohen Rückgang in den Nicht-Euro-Ländern überschattet wird.

Besonders die internationalen Handelskonflikte, wie der Brexit oder die Situation zwischen den USA und China, werden dabei immer mehr zur Belastung. „Bundeskanzlerin Merkel muss bei ihrer Reise nach China noch mal deutlich machen, dass der Handelsstreit nicht nur bilaterale Auswirkungen hat, sondern zunehmend die Weltwirtschaft trifft und für immer größere Unsicherheit sorgt“, erklärt Klaus Mittelbach, der Vorsitzende der Geschäftsführung beim Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI).

Auch der Elektrotechnik- und Elektronikindustrie geht es alles andere als gut. Insgesamt lag das Minus zum Halbjahr bei etwa 1,6 Prozent. Damit sinkt die Reichweite der Bestellbestände von 3,4 auf 3,1 Produktionsmonate ab. „Es wird nun sehr schwer, unsere Produktionsprognose von plus einem Prozent tatsächlich noch zu erreichen“, folgert Chefvolkswirt Andreas Gontermann.

Hinzu kommt ein Einbruch des Geschäftsklimas, welches zum ersten Mal seit Oktober 2014 unter die Nulllinie gerutscht ist. „Die aktuelle Lage wurde deutlich schlechter beurteilt als noch im Juni, aber auch die allgemeinen Geschäftserwartungen sind zurückgefallen“, weiß Gontermann.

Schon mehrmals musste die Prognose im Maschinenbau korrigiert werden. Der Produktion wird im laufenden Jahr ein Minus von zwei Prozent vorhergesagt. Mit rund einer Million Beschäftigten, hatte man 2018 noch ein Plus von etwa zwei Prozent verbuchen können. Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle ist jedoch weiterhin zuversichtlich, obwohl der Rückgang der Auftragseingänge dafürspricht, dass den Ausrüstungsinvestitionen eine Schwächephase bevorsteht.

„Dass es trotzdem zu keiner schweren Rezession kommen dürfte, dafür sprechen die weiter sehr günstigen Finanzierungsbedingungen und die immer noch gute Arbeitsmarktlage, durch die die Arbeitnehmereinkommen deutlich steigen“, prognostiziert Oliver Holtemöller, der IWH-Vizepräsident und Leiter der Abteilung Makroökonomik.

Quelle: www.kloepfel-consulting.com